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Reggae, Ragga, Roots...

Dub - Experimentierfreudig und hypnotisch

Dubbing

Zum Reggae gehört das „dubbing“. Dub nennt sich eine Mix-Methode, bei der mit Hilfe von Hall, Echos, Feedbacks (Rückkoppelungen) und anderen Effekten im Studio spezielle Tonspuren überlagert oder besonders herausgehoben werden. Das Dubbing jamaikanischer Reggaemusiker ist einer der Vorläufer des Remixes in der Popmusik.

Ursprünglich wurde der eigentliche Song auf der A-Seite einer Single veröffentlicht und der entsprechende Dubmix kam auf die B-Seite. Erst später entstanden ganze Dub-Alben. Diese nannten den Dub-Mixer und Sounddesigner als Künstler – und nicht mehr den Originalinterpreten des Songs. Die großen Pioniere des Dub waren der Phasing-Meister King Tubby (1941-1989) und der 1936 geborene Lee ‚Scratch’ Perry, dessen Markenzeichen die Verwendung außergewöhnlicher elektronischer Geräusche wurde. Mit der Melodica brachte der Musiker und Produzent Augustus Pablo (1954-1999) eine ganz spezielle Instrumentalisierung und melancholische Note in die Musik.

Die Weiterentwicklung der Mehrspurtechnik machte es von 1973 an möglich, die Instrumentierung auf vier und mehr Tonspuren zu splitten. Häufig enthalten Dub-Tracks nur noch das „Skelett“ eines Songs und mäandern in avantgardistischen Klangwelten von hypnotischer Wirkung.

Heute spricht man von einem erweiterten Dub-Begriff. Dieser schließt generell Instrumentalversionen von Tracks mit ein und bezeichnet zugleich auch eine eigenständige, experimentierfreudige Richtung des Reggae.

Dub ist längst nicht mehr auf Jamaika beschränkt. Mad Professor aka Neil Fraser kommt aus Guayana, die Gruppe Dub Syndicate ist in Großbritannien zu Hause und der radikale Dub-Poet LKJ, Linton Kwesi Jonson, lebt in London. Und auch in Frankreich macht eine bunte Szene von sich reden.

Zu den bahnbrechenden Aufnahmen überhaupt zählt das Album „Heart Of The Congos“ der Gruppe The Congos aus Jamaika. 1977 nahm sie die Tracks im Studio gemeinsam mit Perry auf. Nicht wenige Kenner halten dieses Ergebnis für das beste Album des Soundmagiers. Großartige Dub-Einspielungen gibt es auch von Bim Sherman (1950-2000), einer der besten Reggae-Sänger, etwa auf dem Album „Miracle“ (1995).

Richtungsweisende Tracks stammen auch vom extrem experimentierfreudigen Bassisten, Produzenten und Label-Chef Bill Laswell (geboren 1955). Dessen vierteilige Dub-Chamber-Reihe ist ein Meilenstein des Ambient-Dub. Grandiose Klänge bringt auch die Produktion „Radioaxiom – An Dub Transmission“ (2001) zu Gehör. Laswell spielte die Scheibe gemeinsam mit dem 1958 geborenen Bassisten Jah Wobble (Ex-Public Image Ltd) ein. Den Gesang überließen sie der äthiopischen Sängerin Gigi. Ein visionärer Entwurf ist auch Wobbles Solowerk „Mu“ (2005), mit zehn Stücken, die der Musiker selbst als „Zen-Dub“ charakterisiert.